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von Kris » So 16.02.03 12:57
...... das ist eines der grund-themen, mit denen ich mich in meinem studium rumschlagen muss.
die ergonomie beobachtet und analysiert wie produkte und deren effekte auf den benutzer/die menschen wirken. oft sind es feine nuancen in der form- und farbgebung und im bedienungskonzept, die einen grossen unterschied ausmachen.
bei anzeigen, tachos, also geräte, auf die man flüchtig, schnell, kurz blickt, kommt es darauf an, wie schnell und sicher das auge die skalierung erkennen und wahrnehmen kann, wie gut und schnell die informationen abgelesen werden können und v.a. mit welcher fehlerquote.
es hat sich gezeigt, dass eben klare weisse schrift auf dunklem/schwarzem hintergrund die beste kombination ist. dazu braucht man nur an die BMW-tachos denken, die seit nunmehr 25 jahren nahezu unverändert in ihrem perfekten design bestehen. im grunde gibt es an denen nicht viel zu ändern, im gegenteil, BMW macht sogar rückschritte, wie z.b. die kursive (schräggestellte) schrift beim 3er coupe, die wesentlich schlechter ablesbar ist.
die beleuchtung hat bei tachos folgende prioritäten:
- grundausleuchtung mit nicht zu grossen lichtstärken, die die ständige adaption des auges von hell (tacho) auf dunkel (strasse) bedeuten würden.
- kontrast-verstärkung, damit die skalierung schnell und gut abzulesen ist.
- keine störende sekundärlichtquelle, die das auge ständig beansprucht, im grunde muss das licht vor dem auto die hellste lichtquelle sein, sonst adaptiert sich das auge auf die helleren instrumente und dadurch wird der sichtbereich vorm auto sehr viel kleiner.
- beleuchtung mit langwelligen lichtfarben. das lichtspektrum ist so aufgebaut, dass infrarot das langwelligste und ultraviolett das kurzwelligste licht sind. blau-töne liegen nahe am UV-bereich und sind damit kurzwellig. mit abnahme der helligkeit nimmt auch die fähigkeit des auges ab, farben zu erkennen, bis schliesslich nur noch grau-töne, also helligkeitswerte wahrgenommen werden (darum sind nachts alle katzen grau).
die fähigkeit blau-töne wahrzunehmen sinkt sehr schnell, wohingegen rot-töne noch mit sehr geringer ausleuchtung zu erkennen sind.
blau-töne sind zudem aufgrund ihrer kurzwelligkeit nie ganz "sortenrein", d.h. es schwingen immer langwellige lichtfarben mit, die das licht nahe an weiss herankommen lassen, dadurch wird das licht deutlich heller und wiederum weniger kontrastreich.
um blaues licht auch nachts blau erscheinen zu lassen, müssen lichtquellen eingesetzt werden, die sehr nahe am UV-bereich liegen, UV ist nun aber schädlich und störend für die augen, also auch gar nicht so besonders gesund.
das ganze kann man natürlich noch genauer nachlesen, ich hab jetzt nur mal, was mir so auf anhieb einfiel aufgeschrieben. ich hab das glück, einen sehr guten ergonomie-prof. zu haben, den horst sommerlatte, der u.a. die kpl. ersten airbus-inneräume entworfen hat und später bei recaro chefdesigner war. da hat er z.b. die bekanntesten recaro-sitze aus den BMW und MB 190 AMG und auch den Manta 200/400 und Porsche entworfen.
grüsse, kris