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von ösi206gt » Di 15.10.02 21:34
Ein g'rader Mich'l mit schrägen Autos
Auf seinem Blutbild dürfte man Benzinspuren finden, auch wenn sich Johnny Reindl fast reflexartig dagegen wehrt, als "Autonarr" hingestellt zu werden. Was nichts daran ändert, dass sein Lebenslauf sehr eng mit Automobilen verknüpft ist. Früher versuchte sich der Linzer recht erfolgreich als (zu) spät berufener Rennfahrer, dann bemühte er sich als Veranstalter von Motor-Shows, das Auto als Kultobjekt darzustellen. Vom 25. bis 2 7. Oktober zeigt Reindl im Welser Messegelände nach längerer Pause wieder automobile Sternstunden vor.
Im Mai 1986 fuhr Reindl im schwedischen Anderstorp in der Tourenwagen-EM gemeinsam mit Christian Danner einen zweiten Platz heraus. Als er damals aus dem BMW stieg, war das gleichzeitig ein endgültiger Abschied vom aktiven Rennsport. "Ich steckte in den Vorbereitungen zu meiner ersten PS-Show in Wels und merkte plötzlich, dass sich die Rennfahrerei und das Veranstaltungsmanagement nicht mehr richtig unter einen Hut bringen lassen", erinnert sich Reindl, der als g'rader Mich'l keine halbe Sachen machen wollte. In der Folge gab er acht Jahre lang als PS-Show-Mann Vollgas. Nach ebenfalls achtjähriger Kunstpause kommt es jetzt in Wels zur Neuauflage.
Zahlreiche Autos sollen Publikumsmagneten sein. Reindl rollt besondere Modelle auf seine Showbühne. Das Mond-Auto kommt, klassische Oldtimer und schnittige Formel-1-Boliden werden auch in Wels stehen. Er selbst besitzt einen Wagenpark, der schräger nicht sein könnte. "Crazy Cars" sind Reindls Spezialität. Rollende Ritterrüstungen, ein Cowboyhut auf Rädern oder ein Drache mit Fahrwerk, alles hat der Linzer auf Lager, um sie an Veranstalter in ganz Europa zu vermieten.
Da hat der Kaufmann Reindl vom Veranstalter Reindl schnell gelernt. "Als ich 1987 aus den USA solche Crazy-Cars anmietete, kostete mich das mehr als eine Million Schilling, die Hälfte musste ich vorher überweisen. Ein Wahnsinn, wenn ich jetzt daran denke", kennt er das Geschäft mit den Autos, die nicht fahren, sondern als Blickfang herumstehen, von beiden Seiten. Die Zahlungsbelege aus dem 87er-Jahr hat er heute noch.
Die Wiederbelebung der Welser PS-Show betreibt Reindl mit einer gesunden Portion Optimismus. Den Massenandrang, den beispielsweise die Autostadt von Volkswagen in Wolfsburg erfährt, würde ein Beweis dafür sein, dass die automobile Schaulust des fahrenden Volks ungebrochen ist. Reindl: "Die Leute verbringen pro Jahr so viel Zeit in einem Auto. Für die meisten Menschen ist es mehr als ein Transportmittel von A nach B." Was für die Männer laut Reindls Rechnung stärker zutrifft als für die Frauen. Die Herren zahlen nämlich beim Fest der Pferdestärken in Wels zehn Euro Eintritt, Frauen und Kinder dürfen gratis Show-schauen.
OÖNachrichten vom 12.10.2002