momentan grosse diskussion bei uns ob mit "NULL-Toleranz" gestarft werden soll, ( was würde man in D dazu sagen ? )
Darf's a bissl mehr sein? Es darf, eh kloar. Schließlich leben wir in Österreich. Und da ist halt alles ein bisschen lockerer, schlampiger. Keine deutsche Gründlichkeit, keine Schweizer Präzision. Bei uns ist's gemütlicher, heimeliger. Aber auch gefährlicher. Im Straßenverkehr, sagt Verkehrs-Guru Hermann Knoflacher. Die jährliche Opferzahl könnte deutlich nach unten gedrückt werden, wenn für Tempo-Sünder die Null-Toleranz gelten würde. Kein Nachlassen mehr, keine Gnade. 50 ist 50 und nicht 64. Sprich: Was draufsteht auf den Taferln gilt. Punktum.
Warum nicht! Weil sich Österreichs Autofahrer dran gewöhnt haben, dass eh nicht so heiß gegessen wird wie gekocht? Diese Aussage ist ebenso eine faule Ausrede wie die angeblich ungenauen Tachos! Die Ungenauigkeit der Tempomesser pendelt im unteren Tempobereich zwischen 0 und 2 km/h. Maximal. Und da greift die Gerätetoleranz (3 km/h bis Tempo 100, darüber 3 Prozent der gemessenen Geschwindigkeit).
Im Übrigen sind die Tempolimits keine Muss-Geschwindigkeiten: Vielmehr darf das angegebene Tempo maximal - bei günstigten Bedingungen - gefahren werden. So steht's in der Straßenverkehrsordnung, so hat' s jeder Führerscheinbesitzer gelernt. Trotzdem hat's das Gros der Lenker auch gleich wieder vergessen. Weil's angenehmer ist, nicht genau auf die Geschwindigkeit achten zu müssen. Motto: Wird schon nix passieren! Gemeint ist dann nicht etwa ein Unfall, sondern, dass der Autofahrer als Temposünder erwischt wird.
Warum wird zu schnell gefahren? Weil's die Leute eilig haben. Glauben die meisten zumindest. Doch wie viel erspart sich ein Lenker, wenn er um ein paar km/h schneller fährt. Ein paar Sekunden auf kürzeren, ein paar Minuten auf längeren Strecken. Darauf haben Verkehrsexperten oft hingewiesen. Vergeblich. Und deshalb wird weiter zu schnell gefahren und werden Menschen gefährdet. Die Null-Toleranz, die Leben rettet, ist überfällig.
Für echte Raser bleibt alles gleich
Ja zu Strafen für Verkehrssünder und Verkehrsverbrecher. Ja auch dazu, dass Gesetze respektiert werden müssen. Wer ein Gesetz übertritt, soll die Folgen tragen und nicht glauben dürfen, er hätte ein Anrecht darauf, dass ausgerechnet bei ihm ein Auge zugedrückt wird.
Dies zum Grundsätzlichen, nun zum "Ja, aber . . ."
Die Null-Toleranz bei Tempolimits ist ein taugliches Mittel zur Abschreckung und zur Erinnerung, dass Tempolimits keine Richtwerte sind.
Gegen wen würde sich eine harte Anwendung der Null-Toleranz richten? Sicher nicht gegen die notorischen Raser. Wer im Stadtgebiet 70 und auf der Autobahn 160 fährt, der muss auch ohne Null-Toleranz Strafe zahlen und lässt sich davon nicht abschrecken.
Die Null-Toleranz trifft also die kleineren Sünder. Autofahrer, die vielleicht 55 km/h anstatt der erlaubten 50 fahren. Oft nicht mit Absicht, sondern weil es sich aus der Verkehrssituation ergibt oder weil sie gerade nicht auf den Tacho geschaut haben.
Angesichts des Umstandes, dass es in weitesten Autofahrerkreisen als normal gilt, dass man bei einem 50er straflos 60 fahren kann, kann man der Null-Toleranz auch hier die Berechtigung nicht absprechen.
Ungut ist jedoch die Vorstellung, dass eine gnadenlose Auslegung zum Tragen kommen könnte. Die OÖN haben gestern ein Beispiel aus der Schweiz gebracht, wo eine Geschwindigkeitsübertretung von 1 (einem) km/h bestraft wurde.
In solchen Fällen wird niemand einsehen, dass es um die Verkehrssicherheit geht. Der Eindruck, dass der Staat in erster Linie abkassieren will, wird sich verstärken.
Für die echten Raser ändert sich nichts. Die "braven" Autofahrer werden bei einem 50er-Limit sicherheitshalber nicht mehr 50 fahren, weil sie da schon auf einem sehr schmalen Grat zur Strafe wandeln, sondern nur mehr 45 oder 40.
Könnte sein, dass der Staat genau das erreichen will. Aber dann sollte er es dazusagen.
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