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von RCC1 » Mi 11.06.03 12:43
Je flacher, desto heißer: Das windschlüpfrige Design moderner Autos samt Windschutz-Scheibe mit niedrigem Neigungswinkel bringt in der warmen Jahreszeit nicht nur die Köpfe der Autofahrer zum Kochen. "Das Armaturenbrett ist der stärkste Heizkörper im Auto, denn das ist meistens schwarz", erklärt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Schon bei einer Außenluft-Temperatur von 25 Grad kann sich das Armaturenbrett auf 60 Grad Celsius erhitzen, bei 28 Grad wird das Armaturenbrett bis zu 70 Grad heiß. Kerbl: "Ist die Außentemperatur noch höher, steigen die Temperaturen im Verhältnis nicht mehr so signifikant an."
Eine Sonnenschutz-Blende aus Karton, die innen auf die Windschutz-Scheibe angebracht wird, kann die Innenraum-Temperatur um bis zu 25 Grad Celsius nach unten drücken. Noch effektiver sind silberbeschichtete Matten, die außen angebracht werden. Sie sorgen dafür, dass die Hitze reflektiert wird und sich die Windschutz-Scheibe nicht erwärmt. Faltkartons sind beim ÖAMTC um 4,30 Euro, silberbeschichtete Matten um 6,47 Euro erhältlich. Kerbl: "Kaum Einfluss auf die Temperatur im Wageninneren hat die Wärmeschutz-Verglasung. Sie senkt die Temperatur nur um wenige Grade."
Wenn's richtig heiß ist, werden nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Fahrzeuge auf die Probe gestellt. Nicht optimal auf die Hitze vorbereitete Autos oder gar stets zu forsch gefahrene, geben dann plötzlich den Geist auf. Oft liegt es am Kühlsystem, wenn der Wagen in der Sommerhitze nicht mehr will. "Die Fehler im Kühlsystem sind mit relativ geringem Aufwand zu beheben. Die Folgeschäden, die durch die Überhitzung entstehen, wie z.B. eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung, können teuer werden", erklärt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.
Bemerkbar machen sich die Lecks im Kühlsystem in erster Linie durch sinkenden Flüssigkeitsstand im Ausgleichsbehälter, Lacken unterhalb des Fahrzeugs stammen aber meist von der Klimaanlage. "Wem ein übermäßiger Kühlmittelverbrauch auffällt, der hilft sich auf längeren Reisen mit einem Vorrat an Dauerkühlflüssigkeit, aber eigentlich sollte der Wagen in die nächste Werkstatt", weiß der Clubexperte. Doch Vorsicht ist geboten, denn das Kühlsystem darf nur im Notfall mit Leitungswasser aufgefüllt und bei nächster Gelegenheit sollte die gesamte Kühlflüssigkeit getauscht werden. Motorüberhitzung entsteht aber auch aus anderen Gründen: Zum Beispiel dann, wenn ein Thermostat nicht öffnet, durch einen abgerissenen Keilriemen oder aber auch wegen eines Insektenfriedhofs zwischen den Kühllamellen.
Mit angepasster Fahrweise kann ein Überhitzen des Motors vermieden werden. Wer viel Motorleistung, also hohe Drehzahlen bei geringen Fahrgeschwindigkeiten nutzt, wird feststellen, wie schnell an heißen Tagen das Kühlgebläse aktiv wird. Unnötiges Beschleunigen und Bremsen im dichten Verkehr bringen den Motor rasch auf zu hohe Temperaturen. Am angenehmsten und übrigens auch am Kraftstoff sparendsten ist dahingleiten mit möglichst geringer Motordrehzahl.
Wer auf der Urlaubsfahrt große Lasten beispielsweise mittels Anhänger transportiert, kommt auch heute nicht um Kühlpausen herum, gerade wenn die Temperaturen die 30-Grad-Marke überschreiten. "Sollte der Motor trotz ausreichender Kühlflüssigkeit, aufgrund der hohen Umgebungstemperatur und der Verkehrsverhältnisse trotzdem zu heiß werden, hilft noch das Abschalten sämtlicher Zusatzaggregate, speziell der Klimaanlage. Sie benötigt nicht nur viel Energie sondern erzeugt auch sehr viel Wärme im Motorraum", erläutert Kerbl.
Das unbestritten beste Mittel gegen die quälende Hitze im Auto ist die Klimaanlage. "Aber auch Besitzer von Fahrzeugen mit Klimaanlagen sollten eine Sonnenschutzblende verwenden, weil dann die Klimaanlage viel schneller eine angenehme Temperatur schaffen kann", erklärt Kerbl.
Wer keine Klimaanlage im Auto hat, soll auf den ersten gefahrenen Metern bei geöffneten Fenstern die Hitze herausziehen lassen und mit der richtigen Lüftungseinstellung für eine effektive Luftzirkulation sorgen. Ventilatoren, die am Zigarettenanzünder angesteckt werden können, bringen kaum etwas. Sie wirbeln die heiße Luft im Auto nur herum.
Ein Tipp für Autofahrer, egal, ob sie nun mit "Klima" oder ohne unterwegs sind: "Wenn die Sonnenstrahlen auf die Glasflächen knallen, verwandelt sich das Auto schnell in einen Backofen. Da ist ein schattiger Parkplatz im Sommer durch nichts zu ersetzen", weiß Kerbl.